Buchvernissage an der Universitätsbibliothek Basel

Präsentation der Loci praecipui theologici (1559) von Philipp Melanchthon (Lateinisch-deutsch)
Hrsg. und übers. von Peter Litwan und Sven Grosse unter Mitarbeit von Florence Becher-Häusermann

Bericht von Jens Binfet, BTh-Student
 
Was ist wohl eine Buchvernissage? Diese Frage stellte ich mir, als ich die Einladung zur Präsentation der Erstübersetzung von Melanchthons «Loci praecipui theologici (1559)» in Händen hielt.
Der Veranstaltungssaal in der Universitätsbibliothek (UB) in Basel war jedenfalls bereits überfüllt, als Herr Christoph Ballmer von der UB die Versammelten begrüsste. Eine bunt gemischte Zuhörerschaft wurde zunächst von Prof. Dr. Sven Grosse, Fachbereichsleiter für Historische Theologie an der STH Basel, in die Zeit und Person Melanchthons eingeführt. War nun Melanchthon Martin Luthers wichtigster Mitarbeiter? Oder verkennen wir die Wichtigkeit dieses zurückhaltenden Gelehrten, sodass man eigentlich auch sagen könnte: Luther war Melanchthons wichtigster Mitarbeiter? Mit der Eingangsfrage war das Interesse für diesen Reformator geweckt. Dass sich sein Schaffen nicht auf Theologie beschränkte – ja er sogar nicht von Anfang an theologische Werke schrieb – war mir nicht bewusst. Melanchthon, dessen bürgerlicher Name Philipp Schwartzerdt war (er hatte einfach seinen Nachnamen in zeitgenössischer Weise gräzisiert), war eigentlich Professor für Altphilologie (bzw. Humanist, wie man damals sagte) an derselben Universität, an der Martin Luther lehrte. Durch seine verschiedenen Lehrbücher zur Grammatik und anderen Feldern hat sich Melanchthon auch um die deutsche Schulbildung mehrerer Jahrhunderte sehr verdient gemacht. Diesen Einfluss konnte man auch an der kleinen aber feinen Ausstellung von Originaldrucken aus Melanchthons Zeit erahnen, die im Eingangsbereich der Universitätsbibliothek in exponierter Stellung aufgebaut war.
Der zweite Teil des Vortrags widmete sich dann der Übersetzungsarbeit selbst. Beispielhaft zeigte der leitende Übersetzer Dr. Peter Litwan Herausforderungen und grundsätzliche Übersetzungsentscheidungen. Auch die spezielle Bedeutung mancher theologischen Vokabel in Abweichung zum klassischen Latein wurde gezeigt. Es wurde deutlich, dass Melanchthon nicht nur ein tiefschürfendes theologisches Lehrbuch mit Fokus auf Studierende verfasst hat, sondern dabei auch höchste Sprachkunst und Grammatik beherrschte.
Besonders deutlich wurde das Anliegen der Herausgeber, lateinische Schriften der europäischen Wissenschaft und Literatur durch Studienausgaben einer Generation zu erschliessen, die nur noch vereinzelt die klassischen Sprachen beherrscht. Insgesamt bot der Anlass spannende Einblicke in die Entstehung einer solchen zweisprachigen Studienausgabe.
Im Anschluss zum Vortrag waren die Gäste noch von der STH Basel zu einem Apéro eingeladen. Bei Gespräch und Genuss der Köstlichkeiten konnte so manche Begegnung stattfinden.
Es bleibt zu wünschen, dass die neu vorliegende Übersetzung auch weiter solch grosses Interesse hervorruft und unsere zeitgenössische Theologie sich von Melanchthon herausfordern lässt, um christliche Lehre zu ringen und sie einer kommenden Generation zu vermitteln.