Immanuel-Verlag
 

Leseprobe aus FUNDAMENTUM 2/2001

Exegese des Epheser-briefes 5, 21 - 24

Haustafel

Ratschläge für das christliche Familienleben

von Dr. Martin Erdmann

...Entgegen der Ansicht einiger Theologen, die entweder die Anweisungen der Haustafel unter dem Vorzeichen von V. 21 interpretieren oder sie als direkten Widerspruch zu diesem Vers verstehen, stellen wir im folgenden die von uns bevorzugte Deutung dar.
Paulus ruft zur Dienstbereitschaft in Passagen wie Gal 5, 13b und Phil 2, 3.4 auf. Ihm ist die Betonung einer demütigen Grundeinstellung so wichtig, dass er sie in der letztgenannten Passage sogar mit dem Verhalten Christi begründet. Der Sohn Gottes bestand nicht auf seinem Recht, Gott gleich zu sein, wiewohl er dies hätte tun können, sondern er nahm die Form eines Dieners an. In bewusster Kontemplation der exemplarischen Erniedrigung ihres Herrn sollten die Gläubigen in Philippi die charakterliche Qualität der Selbstlosigkeit dadurch unter Beweis stellen, dass sie statt der eigenen die Interessen anderer verfolgten.
Eine interessante Parallele zu Eph 5, 21 findet sich in 1. Petr 5, 5, wo die Ermahnung «Ihr Jüngeren: seid den Ältesten untertan» sofort durch eine weitere ergänzt wird: «Allesamt aber legt euch im Verkehr miteinander das Dienstgewand der Demut an.» Petrus will die zweite Ermahnung nicht in dem Sinne verstanden wissen, dass sie die erste wieder aufhebt. Vielmehr meint er, dass sich der Dienst der Ältesten in der Gemeinde im allgemeinen durch Demut auszeichnen sollte, auch den jüngeren Gläubigen gegenüber. Das Prinzip der gegenseitigen Hochachtung und Hilfsbereitschaft löst aber keineswegs die Gemeindestruktur mit ihren unterschiedlichen Zuständigkeiten auf. Deshalb gilt weiterhin, dass die jüngeren Gläubigen, und diese ganz besonders, sich den Ältesten unterzuordnen haben.

In Eph 5 sieht die Situation ähnlich aus. Auch hier steht die Aufforderung zur gegenseitigen Unterordnung direkt neben der genaueren Ausführung darüber, wie sich die unterschiedlichen Zuständigkeiten in den verschiedenen Beziehungen untereinander auswirken sollen. Die allgemeine Regel gilt: Gläubige sollten nicht selbstsüchtig auf ihren eigenen Vorteil bedacht sein. Die Ehegatten sind demnach angehalten, ihren Frauen die gebührende Wertschätzung entgegenzubringen. Das Wohl der Kinder sollte den Eltern immer am Herzen liegen. Selbst an der fürsorglichen Behandlung der Sklaven...

Weitere Themen:

  • Illusion und Realität im Nahostkonflikt
    Prof. Dr. Samuel Külling

  • Messianische Christologie, 4. Teil
    Dr. Arnold Fruchtenbaum

  • Mann und Frau in biblischer Sicht, 1. Teil
    John Piper u. Wayne Grudem

  • Das Bibelverständnis Calvins im Kreuzfeuer der Kritik
    Dr. John Gerstner