Bericht zur Romreise 2015

Severin Carlo Hirt, Student im Master-Programm

Rom trägt nicht umsonst den Ehrennamen «die ewige Stadt»: uralte Gemäuer, majestätische Kirchen und unzählige Kunstschätze zeugen von ihrer über drei Jahrtausende währenden Geschichte. Ihre Bedeutung für das Christentum zeigt sich schon im Neuen Testament, wo Paulus seinen längsten Brief an die Gemeinde in Rom richtet. Diese Stadt war im September 2015 Ziel einer Studienreise der STH Basel. Es ging darum, mehr über die Anfänge der christlichen Gemeinde in Rom zu erfahren: von den Wirkungsstätten der Apostel Petrus und Paulus über die Hauskirchen und Wohnhäuser der Gemeinde des Römerbriefs bis zu den Katakomben und frühchristlichen Basiliken.
Die einwöchige Reise fand Anfang September 2015 unter der Leitung von Prof. Dr. Johannes Schwanke statt. Unser Quartier in Rom war die Casa Santa Sofia, ein Hotel im Herzen von Rom, dass die perfekte Ausgangslage für die täglichen Ausflüge bot. Jeder Reisetag war einem thematischen Schwerpunkt gewidmet. Am ersten Tag ging es um das imperiale Rom. Mit dem Forum Romanum, dem Palatin und dem Kapitol besuchten wir die Zentren des kaiserlichen Roms. Besonders beeindruckte der Titusbogen, der an die Eroberung Jerusalems durch die Römer im Jahr 70 n. Chr. erinnert. Die Darstellungen zeigen Details der römischen Kriegsbeute, worunter sich auch Geräte aus dem Jerusalemer Tempel befinden. So wurde man an die Aussagen Jesu über die Zerstörung des Tempels erinnert und schaute gewissermassen auf die in Stein gemeisselte Erfüllung biblischer Prophetie (vgl. Markus 13,2).

Der zweite und dritte Tag hatten Paulus und die frühen Christen in Rom zum Inhalt. Wir folgten den Spuren des Völkerapostels, der hier über zwei Jahre lebte und vermutlich auch den Märtyrertod starb. In der Basilika St. Paul vor den Mauern befindet sich das Apostelgrab, das einen Sarkophag mit Gebeinsresten aus jener Zeit enthält und damit möglicherweise authentisch ist. Einen weiteren Eindruck von der christlichen Bestattungskultur jener Zeit gab die Sankt Sebastians Katakombe, wo die Christen der ersten Jahrhunderte ihre Toten bestatteten. In Trastevere, dem alten jüdischen Viertel Roms, besuchten wir ehemalige Wirkungsstätten von Paulus: eine antike jüdische Synagoge und die Strasse, wo er während seiner zweijährigen Gefangenschaft wahrscheinlich eine Mietwohnung hatte.

Der vierte und fünfte Reisetag galt inhaltlich Petrus und den alten Hauskirchen Roms. In der Vatikanstadt konnten wir die Vatikanische Nekropole besuchen, die sich direkt unter der Krypta des Petersdoms befindet. Zusammen mit einer Fremdenführerin des Vatikans stiegen wir zehn Meter unter Bodenniveau hinunter. Die erst seit den 1950-er Jahren zugänglichen Ausgrabungen bestehen aus einer alten römischen Totenstadt und dem Grab des Apostels Petrus. Gemäss römischer Tradition fand hinter dieser Totenstadt der Apostel Petrus in einem einfachen Erdgrab seine letzte Ruhe. Durch die begrenzte Anzahl von Besuchern herrscht in der Nekropole eine ganz besondere Atmosphäre. Eindrucksvoll wurden uns die Erkenntnisse aus den wissenschaftlichen Untersuchungen des Grabes erläutert. Diese lassen es sehr wahrscheinlich erscheinen, dass es sich bei dem Grab tatsächlich um dasjenige des Petrus handelt.
Auf dem Esquilin, einem der sieben Hügel Roms, befinden sich besonders viele ehemalige christliche Hauskirchen. Eine davon ist die Kirche San Martino ai Monti, die über einer alten Hauskirche errichtet wurde. Hier konnte sich jeder einmal selber wie ein Archäologe fühlen: die aus konstantinischer Zeit stammende Unterkirche ist rau, nicht renoviert und lädt zu Spekulationen über die Motive der Fresken und die Bedeutung der Schriftzüge ein. Hier soll ein Jahr vor dem Konzil von Nicäa (325 n. Chr.) ein Vorbereitungstreffen unter der Leitung des Kaisers Konstantin stattgefunden haben.

Am letzten Tag besuchten wir am Monte Celio Ausgrabungen römischer Häuser und fuhren anschliessend nach Ostia Antica, dem früheren Hafen Roms. Diese sehr gute erhaltene Ausgrabungsstätte gibt einen hervorragenden Eindruck von der Beschaffenheit einer antiken römischen Stadt. Bei strahlendem Sonnenschein, unter Pinien und Zedern, zwischen wunderschönen Ruinen und mit einem lauen Lüftchen vom Meer im Gesicht konnte man wunderbar ausspannen. Den letzten Abend liessen wir bei einer Pizza am Meeresstrand ausklingen.
Die gute Gemeinschaft in der Reisegruppe sowie die fesselnden und humorvollen Ausführungen von Prof. Schwanke hatten einen grossen Anteil daran, dass diese Studienreise allen Teilnehmern unvergesslich bleiben wird. Der Abschied fiel schwer, aber die ewige Stadt ruft schon bald wieder: im September 2017 findet die nächste STH-Studienreise nach Rom statt.
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