Staatsunabhängige Theologische Hochschule Basel

Jahrestreffen 2010

STH-Alumni - Jahrestreffen 2010


 

 Bericht von Fritz Imhof

Der Wettkampf zweier Weltreligionen

Der Atheismus – der Islam – oder das Christentum? Drei Kräfte im Wettbewerb um die Köpfe und Seelen der Weltbevölkerung. Wer gewinnt? Der international tätige Theologieprofessor und Religionsforscher Thomas Schirrmacher sprach dazu am Ehemaligentreffen zum 40-jährigen Bestehen der Staatsunabhängigen Theologischen Hochschule Basel (STH) am 7. Juni 2010.

 

Der Islam und das Christentum liefern sich ein Rennen um
die Seelen der Menschen weltweit. Beide wachsen
schneller als die Weltbevölkerung (1,2% pro Jahr). Der
Islam legt jährlich um 1,9% zu, das Christentum „nur“

um 1,5%, da das Wachstum im Süden die Abnahme
der Christen im Norden kompensieren muss. Evange-
likale und Pfingstler wachsen mit ca. 2,5% pro Jahr
überdurchschnittlich.

Prof. Dr. mult. Thomas Schirrmacher
STH Absolvent von 1982

Die widerlegte Säkularismusthese

Für Professor Schirrmacher ist zweierlei klar: Die später von Peter Berger selbst widerrufene Säkularismusthese,
wonach die Religion sich weltweit zurückzieht, hat sich klar als falsch erweisen. Heute findet vielmehr ein Wettbewerb
im Wachstum der beiden Weltreligionen Islam und Christentum statt. Der Atheismus dagegen, der seinen Schwer-
punkt an den Universitäten und in den Medien Europas hat, ist eindeutig auf dem Rückzug, obwohl er sich nach wie
vor die Machtmittel Bildung und Medien bedienen könne.

In Europa ist laut Beobachtung Schirrmachers ein interessanter Wandel im Gange. Während sich Personen des
öffentlichen Lebens noch vor 10 Jahren scheuten, sich als religiöse Menschen zu bezeichnen, gehöre es in Politik
und Wirtschaft heute zum guten Ton, sich zu einem Glauben mit ethischen Werten zu bekennen. In Deutschland gebe
es heute einen Arbeitskreis „Christen in der FDP“ und seit fünf Jahren die „Christen in der SPD“. Die CDU ihrerseits
betone neu die Wichtigkeit des „C“. In Spitzengremien der Wirtschaft seien die Christen übervertreten.

Die Atheisten müssten demgegenüber laufend Stellungen preisgeben. Den philosophischen Atheismus gebe es
ausserhalb der Universitätsmauern kaum noch. Parallel dazu verlören die Atheisten die meisten Diskussionen um
Gottesbeweise und die Existenz Gottes. Daher hätten sie ihre Strategie gewechselt und klagten heute die Religionen
an, für alles Schlechte auf der Welt verantwortlich zu sein. Weil keine Religion ohne schwarze Flecken sei, fänden
diese Angriffe bei den Leuten eine gewisse Resonanz.

 

Abschied von der liberalen Theologie

Parallel zum Rückzug des Atheismus befinde sich auch die liberale Theologie auf dem Rückzug, so Schirrmacher.
Insbesondere in den USA würden liberale Theologen reihenweise durch Evangelikale ersetzt. Diese von oben
gesteuerte Wende drücke sich auch in öffentlichen Diskussionen aus. „Heute bekommt kein Bischof mehr Applaus,
weil er die Existenz Gottes leugnet“, illustrierte Schirrmacher diese Trendwende. Parallel dazu verstärke der
Ökumenische Rat der Kirchen den Kontakt zu den Evangelikalen und Pfingstlern, weil diese immer mehr
Führungsfunktionen auch in den ökumenischen Kirchen einnähmen. 

Europa befindet sich noch in einer vom Atheismus dominierten Phase, in der bereits eine neue religiöse Kultur
vor der Tür stehe. Schirrmacher berief sich wiederum auf Peter Berger, der inzwischen die Säkularismusthese
aufgegeben habe: Europa wird wieder religiös, es wird  entweder zum (evangelikalen) Christentum schwenken
oder dann zum Islam.  Die erste Variante wäre für Schirrmacher durch eine Erweckung denkbar. Die Voraus-
setzungen dazu bestünden durchaus, sagte der Religionswissenschafter.

 

Die Hausaufgabe

Leider hätten die Christen die missionarische Chance unter den eingewanderten Muslimen verschlafen, bedauerte
Schirrmacher. Die Evangelikalen gehörten zu den wenigen Europäern, die mit Muslimen ein Gespräch über den
Glauben führen könnten. Sie müssten sich dazu auf die gute Tradition der Gastfreundschaft besinnen und diese
den Muslimen anbieten. Für diese bedeute eine persönliche Einladung ins Haus von Christen sehr viel. Wenn
sie merkten, dass man in wesentlichen Positionen wie Schöpfung oder Homosexualität übereinstimme, sei der
Einstieg ins Gespräch über Islam und Christentum schnell geebnet. Schirrmacher, seines Zeichens Direktor
des Internationalen Instituts für Religionsfreiheit, betonte ausserdem: „Man kann missionieren und sich
gleichzeitig für Religionsfreiheit einsetzen.“ Gerade Evangelikale hätten die Hausaufgabe zu zeigen, wie
man mit Leuten anderer Religion friedlich zusammenleben könne.

 



 

   
 
 
 




Staatsunabhängige Theologische Hochschule Basel

Mühlestiegrain 50
4125 Riehen/Basel
Schweiz

Tel. 061 - 646 80 80
Fax 061 - 646 80 90

info@sthbasel.ch

Lageplan
Designed by e-next AG    © Copyright 2006