Jahrestreffen 4. Juni 2012

Bericht von Reinhard Dannecker

„Das Entscheidende können nicht wir machen. Das muss Gott tun.“ Armin Mauerhofer sprach in einem lebendigen und herausfordernden Referat über den Stellenwert des Gebets im Leben eines Verkündigers.
Nur als vom Heiligen Geist Bewegte und Berührte könne man den Menschen wirklich ansprechen. Es gehe nicht darum, die Zuhörer in die eigene Begeisterung hineinzuführen, sondern sie auf Jesus hinzuweisen und zu ihm zu führen. So werde der Glaube gestärkt und gefestigt, und Menschen fänden zum Glauben an ihn.
In der Vorbereitung spiele das Gebet daher eine ganz bedeutende Rolle. Auch wenn man die „Exegese nach dem Studium nicht dankend hinter sich lassen“ solle und die gründliche Beschäftigung mit der Heiligen Schrift unabdingbar sei, benötige der Verkündiger besonders im Blick auf die Anwendungsgedanken die Führung durch den Heiligen Geist. Er wisse, welche Schwerpunkte gesetzt werden müssten. Eben diese Führung geschehe im Gebet. Dies gelte im Blick auf die vielfältigen Lehraufgaben in Gottesdiensten und Schulungen, so namentlich für die Predigt am Sonntag, Schulungen für Mitarbeiter oder den Biblischen Unterricht.
Wichtig sei neben dem Gebet um die richtigen Worte auch das Gebet für die Zuhörer. Mauerhofer selbst bete jeweils, dass den Zuhörenden Kraft zum Hören geschenkt werde, sie ein offenes Herz hätten und so vom Wort berührt würden.
Insbesondere die Seelsorge zeige die persönlichen Grenzen und die eigene Unfähigkeit auf. Es gelte Menschen darin zu ermutigen, ihre Krankheit auszuhalten, Sterbende zu begleiten, Trauernde zu trösten, Depressiven beizustehen und Ehepaaren zu helfen, die in einer Krise stünden. Mauerhofer bekannte, wie wichtig für ihn in diesen Zusammenhängen das Gebet sei.
Als Leiter sei man herausgefordert, Menschen zu einem heiligen Leben zu ermutigen, Einheit zu fördern, die Umgebung mit dem Evangelium zu erreichen, Gemeinden zu gründen und Missionare auszusenden. All dies koste viel Kraft, die aus einem lebendigen Gebetsleben geschöpft werden müsse.
In der anschliessenden Austauschrunde kam auch zur Sprache, dass es Zeiten gebe, in denen man selbst nicht beten könne. Da sei es wichtig, um Menschen zu wissen, die dann mit einem und für einen beteten.

Nach diesen motivierenden Worten nahmen wir ein feines Mittagessen ein, um anschliessend noch den spannenden Ausführungen von Christine und Thomas Weber zu folgen: Und das Wort wurde Schrift - Bibelübersetzung bei den Bimin in Papua Neuguinea. Christiane und Thomas gelang es, uns Zuhörer mit einem bewegenden Bericht über ihren knapp 20 Jährigen Einsatz in Neu-Guinea zu fesseln. Mit eindrücklichen Filmaufnahmen und Fotos fühlte man sich mit der Arbeit und den Menschen für einen Nachmittag lang tief verbunden.
Wie übersetzt man die Bibel, wenn es in einer Sprache weder ein Lautschriftsystem noch eine schriftliche Grammatik, geschweige denn Lehrbücher zum Erlernen der Sprache gibt? Man kann sich vorstellen, welch mühevolle Kleinstarbeit in kraftaufwändigen Stunden hierfür benötigt werden. Thomas berichtete davon, dass die Arbeit durch die Einheimischen sehr wohlwollende begleitet worden sei, und so habe es bereits 5 Jahre nach Beginn der Tätigkeit erste schriftliche Zeugnisse in der Sprache der Bimin gegeben.
Christiane führte lebendig vor Augen, dass die Arbeit als Bibelübersetzer nicht einfach eine akademische Leistung ist, sondern vor allem dann gelingt, wenn man als Übersetzer das Leben mit den Menschen teile. So sei Bibelübersetzung vor allem auch Beziehungsarbeit. Nur so werde das Projekt teil der Menschen.
Dass Christiane und Thomas ihre Arbeit mit viel Hingabe und persönlichem Engagement taten, zeigte der bewegende Film zum Übergabefest der Bimin-Bibeln, das am 1. November 2008 stattfand. Der Film transportierte die Freude der Bimin darüber, das Wort Gottes in ihrer eigenen Sprache und Schrift lesen zu können. Es waren bewegende Szenen: einem alten, vom Leben gezeichneten Bimin übergibt ein Mitglied des Übersetzerteams sein persönliches Exemplar, mit vielen anderen sitzt er schon bald am Boden, mit aufgeschlagener Bibel und darin lesend. Es wird getanzt, gelacht, gegessen - ein Fest der Freude darüber, die Bibel in der eigenen Sprache lesen zu können. So wundert es nicht, dass auch die eine oder andere Träne der Freude und Rührung bei uns Ehemaligen über die Wange kullerte.

Bist Du nächstes Jahr (wieder) dabei?